Über Selbstzweifel, externe Validierung und das Imposter-Syndrom – und darüber, warum Durststrecken zum Weg gehören, auch wenn das gerade niemand hören will. Mit ein paar Dingen, die mir persönlich helfen, mental auf Kurs zu bleiben.
Volle Mülltonnen, ein Auto, Fahrrad, Einkaufswagen - Zu viel
Heute ist einer dieser Tage, an denen ich am liebsten einfach nicht online wäre. Nicht weil nichts passiert. Sondern weil zu viel passiert – und zwar da drin.
Ich scroll durch Instagram. Sehe Bilder. Gute Bilder. Manchmal grandios. Und bevor ich auch nur einen einzigen rationalen Gedanken fassen kann, läuft mein Gehirn schon los – vergleicht, bewertet, urteilt. Follower-Zahlen. Ästhetik. Bookings. Preise. Und ich verliere gerade überall. Zumindest fühlt es sich so an. Das ist der Vergleichs-Modus. Ich kenn ihn gut. Ich kann ihn trotzdem nicht einfach abschalten.
Über diesen Modus spricht fast niemand. Alle zeigen ihre Wins, ihre Milestones, ihre Erfolgsmomente. Ich zeige heute meinen nicht-Win-Tag. Nicht weil ich eine Lösung habe. Sondern weil dieser Moment genauso zum Prozess gehört wie alles andere – und weil ich glaube, dass du ihn kennst.
Wolken im Kopf
Ich les gerade Solve for Happy von Mo Gawdat. Ein Gedanke daraus hat sich in mir festgesetzt und arbeitet seitdem still weiter: Wenn du willst, dass es regnet – und es regnet – bist du glücklich. Scheint dann die Sonne, bist du es nicht. Dein emotionaler Zustand hängt nicht vom Wetter ab. Er hängt davon ab, welche Bedeutung du dem Wetter beimisst.
Ich hab gerade Wolken im Kopf. Kein leichtes Grau, sondern das schwere Dunkel vor einem Gewitter. Und ich merke: Ich hab die Bedeutung meines Erfolgs komplett ausgelagert – an Zahlen, an Ergebnisse, an externe Signale die gerade nicht kommen. Also bin ich betrübt. Auch wenn es vielleicht regnet, genau so wie ich es mir irgendwann mal gewünscht hatte. Ich hab nur vergessen, was ich mir eigentlich gewünscht hatte.
Das Imposter-Rauschen
Ich verfolge gleichzeitig drei verschiedene Definitionen von Erfolg – und die beißen sich gerade alle gegenseitig.
Da ist der kreative Erfolg: Bilder machen die mich selbst überraschen, Momente einfangen die sich richtig anfühlen, der Flow auf der Straße. Der ist da. Der klappt sogar. Nur trau ich mir selbst dabei nicht – ich sehe das selten in meinen eigenen Bildern, bis es jemand anderem auffällt. Und dann sehe ich mein eigenes Bild plötzlich mit völlig anderen Augen. Als wäre der Blick von außen der Schlüssel zu dem, was ich längst selbst weiß, aber alleine nicht sehen kann.
Das ist mehr als ein Selbstzweifel. Das ist die Suche nach externer Validierung – und ich weiß, dass sie keine gute Metrik ist, um sich zu messen. Ich weiß es. Und gleichzeitig weiß ich, dass sie trotzdem über alles entscheidet. Ob man in Galerien kommt. Ob man ernstgenommen wird. Ob Menschen einem vertrauen – weil Menschen nun mal anderen Menschen hinterherlaufen, denen viele andere hinterherlaufen. Externe Validierung ist eine schlechte persönliche Messlatte und trotzdem das Schmiermittel des gesamten Systems. Diese Spannung löst sich nicht auf. Sie ist einfach da.
Dann sind da die Menschen die meine Arbeit wirklich feiern. Echte Supporter, keine höflichen Likes – Menschen die sich Zeit nehmen, die mir erklären was sie in meinen Bildern sehen, die zurückkommen. Ich schätze das. Ich schätze es wirklich, von Herzen. Und trotzdem füllt es gerade eine Lücke nicht, die größer ist als das was einzelne Menschen auffangen können. Das ist kein Widerspruch. Das ist ehrlich.
Und dann ist da das Business: meine Workshops. Ich glaube extrem an das, was ich da anbiete – nicht weil ich es mir einrede, sondern weil ich weiß was passiert wenn Menschen, die fotografieren wollen, anfangen wirklich zu sehen. Wenn ich andere empowern kann, ist das eines der Dinge die mir tiefe Freude geben. Herzblut steckt da drin. Ideen. Alles. Und es tut weh, wenn das nicht ankommt. Wenn die Buchungen ausbleiben. Dann frag ich mich sofort: Bin ich das Problem? Fehlt mir der Trust, weil mir die Reichweite fehlt? Was machen die anders, bei denen es funktioniert? Das Imposter-Syndrom braucht keine Einladung – es sitzt schon am Tisch.
Vielleicht ist es auch einfach Teil davon
Und dann gibt es diesen anderen Gedanken. Den ruhigeren. Den ich nicht immer erreiche, aber der manchmal trotzdem auftaucht.
Die eigene Kunst von Zeit zu Zeit als schlecht oder ungenügend zu sehen – das ist für mich Teil des Prozesses. Solche Momente sind eine Chance. Sie erinnern mich daran zu prüfen, ob meine Werke noch zu meinem Vibe passen oder ob es eine Änderung braucht. Sie erinnern mich daran, Pause zu machen. Den Weg neu zu justieren.
Manchmal sind sie aber auch einfach nur nerviger Blödsinn.
Trotzdem weitermachen – und wie man mit sich selbst spricht
Ich hab eine Liste in meinem Notizbuch die mit den Worten ”I feel happy when ...” beginnt. Darin enthalten: Kaffee und Kuchen. Musik. Wandern. Sport. Fotografie. Blogbeiträge schreiben. Anderen helfen zu wachsen. Und einiges mehr. So viele Momente wie mir eingefallen sind, in denen ich Freude empfinde.
Ich weiß, was mir guttut. Rational, klar, aufgeschrieben. Gerade glaubt mir mein Kopf das aber nicht. Die Selbstzweifel sind lauter als das Wissen. Und hier – das ist mir wichtig – hilft es nicht, noch härter mit sich selbst zu sein. Harte Worte, fiese Selbstkritik, der innere Antreiber der sagt reiß dich zusammen – das macht die Wolken nicht kleiner. Es macht sie schwerer.
Was mir immer wieder hilft, auch wenn es gerade nur theoretisch greift: Musik. Ich hab mir eine Playlist zusammengestellt, die komplett auf positive Vibes ausgerichtet ist. Keine großartige Methode, keine Technik – einfach Songs, bei denen sich was verschiebt. Ich glaube, das sollte jeder mal für sich machen. Nicht meine Playlist – die eigene.
Und dann gibt es Stimmen, die mich immer wieder mental auf Kurs bringen – auch wenn ich gerade nicht die Kraft habe, selbst daran zu glauben. Curse mit seinem Podcast Meditation Coaching & Life ist eine davon. Mo Gawdats Solve for Happy. Die Bücher von Mark Manson. Das sind keine Selbsthilfe-Blaupausen. Das sind Perspektiven, die mich daran erinnern, dass Durststrecken zum Weg gehören – und dass der Weg nie gerade war.
Ich hab heute keinen Ausweg parat. Ich hab diesen Text. Und ich hab die Erfahrung, dass in solchen Momenten irgendwann immer irgendetwas passiert, das mich wieder an mich selbst glauben lässt. Ich weiß nicht wann. Aber ich mach weiter.
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